PEI und KBV-Daten: Skandal. Mehrere Skandale.

Hinhaltetaktik statt Impfmonitoring

 

Es wird immer deutlicher, dass das Paul Ehrlich Institut an einem Impfmonitoring nicht interessiert ist. Für das Jahr 2021 könnte es entweder die Zahlen des Statistischen Bundesamtes heranziehen, um Signale zur Impfsicherheit zu prüfen. Diese Daten liegen jedoch noch nicht vor (2022-12-13).
Oder sie könnten die Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV auswerten. Das ist im Infektionsschutzgesetz ebenfalls vorgesehen (§13 Abs. 5) und auch vom PEI für das zweite Quartal 2021 angekündigt worden (Pressemitteilung, S. 11).
Passiert ist bisher nichts (vierte Quartal 2022). Das ist der eigentliche Skandal.

Da die dafür eingerichtet Institution nicht tätig wird, hat sich nun ein Abgeordneter der AFD darum gekümmert. Vor zwei Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einen Vertreter der AFD lobend zitiere, aber die anderen Parteien sagen zu dem Thema nichts. Er hat nun über Frag den Staat KBV-Daten angefordert und welche bekommen. Er hat sie dem Datenanalyst Tom Lausen zur Verfügung gestellt. Am 12.12.2022 haben sie eine „Pressekonferenz KBV-Daten vom 12.12.2022“ abgehalten. Eine Aufzeichnung auf live.ffn.net. Aus dieser Pressekonferenz stammt auch die Argumentationslinie in diesem Beitrag.

Tom Lausen hat die Daten der KBV auf der Plattform CORIH online auswertbar gemacht. (Nicht das PEI, nicht die KBV, nicht die Krankenkassen). Verfügbar sind Daten ab 2016. Die Abfrage des Codes für R96 auf der CORIH-Plattform habe ich nachgestellt. R96 codiert „plötzlich eingetretene Todesfälle“. Die Todesfälle finde ich deshalb interessant, weil zum einen das Endergebnis als solches klar zu identifizieren ist. Und zum anderen ist es die Spitze des Eisbergs von Gesundheitsereignissen, die mehr oder weniger einschneidend sind, aber nicht zum Tod geführt haben. Zu sehen ist ein sprunghafter Anstieg der Abrechnung R96 „Plötzlich eingetretener Tod“ im ersten Quartal 2021.

Abfrage der KBV-Daten auf CORIH, 12.12.2022

Um diesen Anstieg zu erklären, braucht es ein Ereignis, dass gesellschaftsweit gewirkt hat, richtig? In Frage kommen Covid und die Corona-Impfungen. Da der Anstieg erst 2021 erfolgt und nicht schon 2020 würde ich erstmal als Indiz für die Impfungen als Ursache nehmen. Muss aber nicht sein. Der Punkt auf den es mir hier ankommt: Dazu haben wir eigentlich das PEI, um solche Sachen zeitnah zu entdecken und dem auf den Grund zu gehen. Das ist nicht geschehen. Ergo können wir uns nicht auf das PEI verlassen, richtig?

 

Update 2022-12-13: So, es dauert keinen Tag und schon neue Sachen zu klären. Es steht im Raum, dass das Zentralinstitut der KBV erklärt hat, dass die abgefragten Daten für die Jahre 2016-2020 gar nicht höher sein könnten, weil nur Versicherte von 2021 abgefragt worden wären. Wenn diese in den Jahren vorher gestorben wären, dann wären sie 2021 folglich nicht mehr versichert und wären ergo nicht bei den abgefragten Daten dabei. Der Vergleich der Daten von 2016-2020 mit 2021 wäre demnach unzulässig.

Tja, was ist davon zu halten? Wenn das stimmt mit der Beschränkung des Datensatzes nur auf Versicherte, die 2021 eine Leistung in Anspruch genommen haben, dann wurden etliche tausend Todesfälle erst 1 bis 5 Jahre später abgerechnet. Soviele sind in den Codierungen für die diversen Todesweisen aufgeführt – und die waren dann eben doch noch als Versicherte 2021 geführt. Das würde dann entweder Fragen zur Qualität der Abrechnungsdaten aufwerfen oder für Abrechnungsbetrug sprechen. Ein kurzer Teaser dazu auf Youtube.

Ein Blick auf die Übersterblichkeit in 2021 verrät, dass die Schätzungen je nach Methode zwischen 10.000 und 40.000 Toten über dem Erwartungswert liegen. Der Überhang von etwa 9.000 plötzlich verstorbenen Toten aus den KBV-Daten mit dem Code R96 könnte dies widerspiegeln.

Als Vergleichsstatistik habe ich auf destatis die Todesursachenstatistik für 2020 heruntergeladen (xls). Diese Statistik beruht auf Zahlen, die die Gesundheitsämter von den Totenscheinen weitergeben. Ich habe extra in das Methoden-pdf geschaut, um zu erfahren, ob es Probleme mit Nachmeldungen gibt, die einige Jahre später eintreffen. Ich habe keine entsprechenden Ausführungen gefunden. Die Angabe zum Code R960 beträgt dort 199. Was deutlich unterhalb der 830 plötzlichen Todesfälle für 2022 liegt, die in den jetzt übermittelten Daten der KBV liegt. Die ja nach Zentralinstitutsthese auch schon nur Restposten darstellen. ???

Tom Lausen bittet das Zentralinstitut darum, gemeinsam die Daten zu evaluieren. Nach seiner Einschätzung passt die Höhe der Fallzahlen in den übermittelten Datensätzen gut zu knapp 70 Millionen Versicherten und nicht nur einer Teilmenge, die 2021 eine Leistung in Anspruch genommen hat.
(Telegramkanal: https://t.me/TomLausen/117)

Update 2022-12-14: Eine schöne Zusammenfassung der Lage auch mit einem kurzen Blick auf die Entstehungszusammenhänge gibt folgender Beitrag auf multipolar-magazin.de: Zehntausende Impftote – oder falsche Daten?
Argumente aus Sicht von Datenauswertern und deftige Formulierungen auf sciencefiles.org.

Update 2022-12-15: Markus Bönig vom Team Lausen hat sich bei reitschuster.de gemeldet und bittet zu bedenken, dass es nicht nur bei den Todesfällen sondern auch bei anderen Krankheitsbildern ein Anstieg in den KBV-Daten gab. Ein kleiner Auszug: Als Beispiele werden die ICD-10-Codes C91.5 (Leukämie bei Erwachsenen, plus 163 Prozent), M82.1 (Knochenschwund, plus 77 Prozent) und C78.2 (Krebs in der Lungenhaut, plus 59 Prozent) aufgeführt.

Update 2022-12-15: Tom Lausen hat sich zu der Interpretation des Zentralinstituts positioniert: Gut 100.000 Todesfälle aus den Jahren 2016 bis 2020 können keine Abrechnungsfehler sein. Die Interpretation ist also falsch.
(Telegram https://t.me/TomLausen/123)

Update 2022-12-16: Es hat eine Debatte im Bundestag dazu stattgefunden. Zusammenfassung auf Telegram https://t.me/RA_Friede/4443

Update 2022-12-16: Ein Mathematiker hat sich die Daten der KBV ebenfalls besorgt und selbst ausgewertet (Youtubekanal Actuarium). Und er hat mit folgendem Argument die Interpretation des Zentralinstituts widerlegt: Wenn angeblich keine plötzlichen Tode vor 2021 in den Daten sein können, weil nur Versicherte mit einem Impfereignis 2021 abgefragt wurden, dann muss das auch für andere Todesereignisse gelten. Beispielsweise Herzstillstand oder Ersticken. Die Daten geben aber eine völlig plausible stetige Entwicklung im gesamten betrachteten Zeitraum wieder:

 

Update 2022-12-17: Das PEI gibt eine Mitteilung für Journalisten heraus. Leider habe ich auf der Hompepage des PEI kein entsprechendes Dokument gefunden. Veröffentlicht wurde es von Tim Röhn auf Twitter. Aufmerksam geworden bin ich über Telegram: https://t.me/RA_Friede/4452 .

Statement: Die Interpretation von Lausen ist inhaltlich falsch und irreführend.
Begründung: Die verwendeten Zahlen der KBV seien wissenschaftlich nicht brauchbar. Dazu verweist das PEI auf das ZI. Dort wird erläutert, dass die Codes zur Abrechnung von Todesfällen für niedergelassenen Ärzte keine Daten für Versterben und keine Diagnose, wie sie dann auf den Todesscheinen erscheint, enthalten.

Frag ich mich: Wenn da gar keine Codes für die niedergelassenen Ärzte vorgesehen sind, warum existieren sie dann und wurden auch genutzt?
Frag ich mich: Dass die KBV-Daten zu den Todesfällen keine gute Qualität haben, mag ja sein. Aber das war auch in den Jahren 2016-2020 der Fall. Etwas hat sich also in 2021 geändert. Und dem ist auf den Grund zu gehen.

Das scheint das PEI dann auch zu finden, denn nachdem es behauptet hat, dass die Daten gar nicht auswertbar seinen, macht es Vorschläge, wie der Anstieg zu begründen sein könnte. Es verweist darauf, dass der Anstieg der Coronazahlen erst im Winter 2020 an Fahrt aufgenommen habe.
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass unsere offiziellen Institute die Fallzahlen ohne Bezug zur Anzahl der durchgeführten Tests erhoben haben. Wenn die Fallzahlen in Bezug zur Anzahl der durchgeführten Tests gesetzt wird, soweit sich das näherungsweise nachrechnen lässt, war die Winterwelle 2020 zwar höher als die Winterwelle 2019, aber nicht viel. Siehe im Beitrag Fallzahlen: eine Frage der Bezugsgröße, Abschnitt Welle 1 zu Welle 2.

Dann nimmt das PEI Stellung zu dem Vorwurf, dass es eigentlich das PEI ist, dass die KBV-Daten schon lange hätte auswerten sollen. Dazu sagt das PEI, dass es lieber die Krankenkassendaten von Krankenhäusern verwenden würde, weil die besser seien. Dazu wären aber die Krankenkassen bisher nicht bereit gewesen. Eine jetzt kürzlich schon. Damit mache man nächstes Jahr ein Pilotprojekt und hoffe dann 2023 auch die anderen Kassen überzeugen zu können.
Wegen den KBV-Daten habe das RKI am 25. Oktober 2022 dem PEI die technischen Übermittlungstandards mitgeteilt, so dass das PEI jetzt eine Schnittstelle entwickeln könne, mit der künftig die Daten mit den KVen effizient abgewickelt werden.
Aha. 2 Jahre nach Beginn der angeblich sichersten und bestüberwachten Impfkampagne aller Zeiten fängt das PEI als für die Überwachung zuständige Behörde an, die Schnittstellen zu entwickeln, um künftig zusätzlich wichtige Daten zu bekommen, mit denen die Impfung überwacht werden kann. Wenn das mal keine Information ist.

Update 2022-12-20: Auf multipolar-magazin.de meldet sich Paul Schreyer nocheinmal zu Wort. Demnach sieht es nach eine Vergleich mit den neu herausgekommenen Daten von destatis doch so aus, dass in dem Datensatz, den Tom Lausen zur Auswertung erhalten hat, nicht die Daten aller Versicherter enthalten sind. Allerdings finde entkräftet Schreyer das Argument mit den Erstickungstoten nicht grundlegend. Wie dem auch sei. In den Daten von destatis, also dem Statistischen Bundesamt, werden 512 Impftote aufgeführt. Was etwa eine Verfünfzigfachung gegenüber den bisher verwendeten Impfstoffen darstellt.

Update 2023-02-18. Kuhbandner hat sich die Daten angesehen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Datensatz wohl tatsächlich nur Daten von VERSICHERTEN enthält, die in den abgefragten Jahren auch beim Arzt waren. Wie es sein kann, dass soviele Versicherte, die vor 3, 4, 5 Jahren gestorben sind, nochmal beim Arzt waren, erklärt er damit, dass es Mitversicherte gibt. Also mehrere Menschen unter einer Versicherungsnummer. Wenn diese These stimmen sollte und in den Daten also der Verlauf der Diagnosen einer bestimmten Personengruppe zu sehen ist, dann müssten zum Beispiel für chronischen Erkrankungen die Meldungen mit den Jahren zunehmen: Weil ja Menschen mit bestehender Erkrankung regelmäßig zum Arzt gehen und Menschen, die neu erkranken, hinzukommen. Er kann beispielhaft entsprechende Verläufe in den Daten finden. Obwohl die Daten nach Kuhbandner also nicht wie ursprünglich beabsichtigt interpretiert werden können, lassen sie sich doch verwenden, um Risikosignale zu Krankheiten erkennen: Nämlich dann, wenn der Verlauf der Meldungen sich mit Beginn der Impfungen deutlich ändert. Dies findet er beispielhaft für Myokarditis, Perikarditis, Schwangerschaft und Geburten, und auch Beispiele im Bereich psychischer Störungen.
(Quelle: KBV-Daten und Geburtenrückgang: Über echte und falsche Risikosignale, auf multipolar-magazin.de)

 

Fortsetzung folgt

 

Links

Mehr zum PEI

Wie wollen wir debattieren? – Beispiel aus dem Bundestag

 

gepostet am 2022-12-13

Kommentare

- beitragsbezogen
- begründen
- Quelle angeben und Verweise auf andere Seiten erwünscht, mit Erläuterung, was dort zu finden ist und warum von Interesse.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.